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Notwendige Ernüchterung
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Gefährliche Wahl: Wie Demokratisierung in den ärmsten Ländern der Erde gelingen kann (Gebundene Ausgabe) Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für jeden sein, der sich mit den Problemen der Dritten Welt, insbesondere Afrikas, beschäftigt, aber auch für all jene, die glauben, dass die Probleme eines armen Entwicklungslandes bereits durch die Abhaltung von Wahlen gelöst sind. Die Realität ist - wie so oft - sperriger und Collier schildert sehr differenziert, empirisch unterfüttert und nachvollziehbar, welche Anreize und Versuchungen in der politischen Realität eines afrikanischen oder jedes anderen Landes am Fuss der Einkommenspyramide bestehen. Zwei Zitate, die mich besonders beeindruckten: 'Wir fanden heraus, dass die Demokratie in Ländern mit mittlerem Einkommen das Risiko des Auftretens von politischer Gewalt systematisch verringert. (...) Aber in einkommensschwachen Ländern macht Demokratie die Gesellschaft gefährlicher.' (S. 28) "Möglicherweise haben wir diese Gesellschaften durch die Einführung von Wahlen in ein Zwischenreich geführt, wo sie weder die Fähigkeit von Autokratien besitzen, entschlossen zu handeln, noch das verantwortungsvolle Regierungshandeln einer wahren Demokratie geniessen.' (S. 58) Warum das so ist, wird in Kapiteln zu Ethnopolitik, Waffen, Kriegen und Putschen ausgeführt, stets auch an den afrikanischen Politiker als möglichen Leser gerichtet. Die Schlussfolgerungen und Handlungsvorschläge Colliers - Sicherstellung korrekter Wahlen, redlicher Umgang mit dem Staatshaushalt und internationale Sicherheitsgarantien - sind einleuchtend. Alleine, mir fehlt der Glaube an die Bereitschaft der wohlhabenden Staaten, die damit verbundenen finanziellen und insbesondere militärischen Verpflichtungen zu übernehmen - so nahe liegen Rede und Geldbeutel in unseren Gesellschaften nun doch nicht beieinander. Colliers Buch wird aber als Stachel im Fleisch bleiben. Keiner kann sagen, zu diesem Thema hätten keine fundierten Erkenntnisse und Vorschläge vorgelegen. Daher: lesen!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 22. August 2011 |